Stunden bis zur Bewertung
Bis geklärt ist, ob eine Grenzwertüberschreitung eine Charge betrifft, vergeht Zeit – weil niemand die Zeitreihen der beteiligten Größen nebeneinanderlegen kann.
Environmental Monitoring System (EMS)
Wir planen, realisieren und betreuen Environmental Monitoring Systeme für regulierte und kritische Umgebungen – auf Basis von AVEVA System Platform mit der Operations Management Interface (OMI). Ein System für alle Standorte, alle Räume, alle Messgrößen.
Ausgangslage
In gewachsenen Anlagen liegen die Daten dort, wo sie entstanden sind: Temperatur im Kälteregler, Differenzdruck in einem lokalen Anzeigegerät, Partikelzähler mit eigener Software, Feuchte auf einem Datenlogger, dessen Auswertung einmal im Monat als Excel-Tabelle exportiert wird. Jede Insel hat ihr eigenes Alarmkonzept, ihre eigene Zeitbasis und ihre eigene Vorstellung davon, was ein Grenzwert ist.
Bis geklärt ist, ob eine Grenzwertüberschreitung eine Charge betrifft, vergeht Zeit – weil niemand die Zeitreihen der beteiligten Größen nebeneinanderlegen kann.
Der Beleg, dass ein Wert über den gesamten Zeitraum eingehalten wurde, wird aus mehreren Quellen zusammengesetzt. Jede Handbewegung dabei ist ein Angriffspunkt.
Meldungen, die niemand mehr ernst nimmt, weil zu viele davon kommen und keine davon einer klaren Handlung zugeordnet ist.
Das Prinzip
Ein Environmental Monitoring System erfasst die für Ihr Produkt, Ihren Prozess oder Ihre Infrastruktur kritischen Parameter kontinuierlich, bewertet sie gegen definierte Grenzwerte und dokumentiert beides revisionssicher.
Es alarmiert, bevor eine Abweichung zum Schaden wird, und liefert auf Knopfdruck den Nachweis, dass die Bedingungen eingehalten wurden. Bedient wird es über eine einheitliche Oberfläche – am Leitstand, am Arbeitsplatz und mobil. Erweitert wird es über die Jahre, ohne dass die Grundarchitektur angefasst werden muss.
Nutzen
Mehrstufige Warn- und Alarmgrenzen mit Vorwarnung, Verzögerungszeiten und Trendüberwachung. Sie reagieren auf die Entwicklung, nicht erst auf die Überschreitung.
Jeder Messwert, jeder Alarm und jede Quittierung wird mit Zeitstempel und Benutzer archiviert. Berichte entstehen per Vorlage statt per Copy-Paste.
Räume, Anlagen und Standorte folgen derselben Objektstruktur. Neue Räume kommen als Instanz einer geprüften Vorlage dazu – nicht als Neuentwicklung.
Offene Standardschnittstellen zu Sensorik, Gebäudeleittechnik und übergeordneten Systemen. Sie binden sich nicht an einen einzelnen Gerätehersteller.
Umfang
Welche Größen relevant sind, entscheidet Ihr Prozess – nicht der Katalog. Wir nehmen die Messstellen auf, ordnen sie den Nachweispflichten zu und ergänzen gezielt dort, wo heute eine Lücke besteht.
Anbindung über gängige Feldbus- und Netzwerkprotokolle, Steuerungen verbreiteter Hersteller, Gebäudeleittechnik, Messgeräte mit eigener Schnittstelle sowie Bestandssysteme über Datei- oder Datenbankimport.
Einsatzgebiete
Die Anforderungen unterscheiden sich – überwacht wird in einem Reinraum anderes als in einem Rechenzentrum, und der Nachweis geht einmal an die Behörde, einmal an den Kunden, einmal an die Versicherung. Die Systembasis bleibt dieselbe.
Reinräume und Reinraumzonen, Herstellungs- und Abfüllbereiche, Isolatoren und RABS, Sterilbereiche, Labore. Überwacht werden unter anderem Partikel, Differenzdruck, Temperatur, relative Feuchte, Luftwechsel und Keimbelastung. Die Dokumentation muss den Anforderungen an elektronische Aufzeichnungen genügen und im Audit vorlagefähig sein.
PartikelDifferenzdruckAudit TrailChargenbezug
Kühl- und Tiefkühllager, Wirkstofflager, Quarantänebereiche, Kühlzellen, Klimakammern, Ultratiefkühlschränke, Verladezonen und temperaturgeführte Logistikketten. Schwerpunkt: lückenlose Temperatur- und Feuchtehistorie, Alarmierung außerhalb der Betriebszeiten und der Nachweis der Kühlkette bis zur Auslieferung.
KühlketteRufbereitschaftMKT
Operationssäle, Aufbereitungseinheiten für Medizinprodukte, Zytostatika- und Krankenhausapotheken, Blut- und Gewebebanken, Labore, Medikamentenkühlschränke. Schwerpunkt: Raumluftqualität, Temperatur und Feuchte in den Zonen sowie die Temperaturüberwachung sensibler Präparate.
OP-KlimaBlutbankApotheke
Produktions- und Reifungsräume, Kühlhäuser, Hygienezonen, Verpackungsbereiche. Schwerpunkt: Temperatur, Feuchte, Hygienezonentrennung und die Dokumentation für HACCP-Nachweise und Kundenaudits.
HACCPHygienezonenReifung
Reinräume, ESD-Bereiche, Mess- und Kalibrierräume, Fertigungslinien mit engen Klimafenstern. Schwerpunkt: Partikelzahl, Temperatur- und Feuchtestabilität, Vibrationen und Luftströmung.
ISO 14644ESDVibration
Serverräume, Colocation-Flächen, Technikräume, USV- und Batterieräume, Netzknoten. Schwerpunkt: Raum- und Rack-Temperatur, Feuchte, Kaltgang-/Warmgang-Trennung, Leckageerkennung, Kühlleistung und die Anbindung an das Störungsmanagement.
Rack-TemperaturLeckageUSV
Produktionsanlagen, Tanklager, Abluft- und Abwasserpfade, Lagerbereiche für Gefahrstoffe. Schwerpunkt: Emissions- und Immissionswerte, Gaswarnanlagen, Umweltkennzahlen und Berichtspflichten gegenüber Behörden.
EmissionenGaswarnungBehördenbericht
Analytik- und S1/S2-Labore, Klimaschränke, Kryolager, Tierhaltungsbereiche, Prüfstände. Schwerpunkt: Probenintegrität, Alarmierung bei Geräteausfall und Nachweisführung für Akkreditierungen.
KryolagerKlimaschrankAkkreditierungDepots, Ausstellungsräume, Vitrinen, Restaurierungswerkstätten. Schwerpunkt: enge Temperatur- und Feuchtekorridore über lange Zeiträume, Lichtbelastung und Nachweisführung gegenüber Leihgebern und Versicherern.
KlimakorridorLux-BelastungLeihverkehrBürogebäude, Produktionsstandorte, Schulen und öffentliche Gebäude. Schwerpunkt: Raumluftqualität und CO₂, Energie- und Verbrauchskennzahlen, Behaglichkeit und die Verbindung von Umweltdaten mit dem Instandhaltungsprozess.
CO₂EnergiekennzahlenInstandhaltung
Plattform
AVEVA System Platform ist keine HMI-Software mit angebautem Archiv, sondern eine objektorientierte Plattform für SCADA-, MES- und IIoT-Anwendungen. Für ein EMS ist das der entscheidende Unterschied: Sie modellieren einmal, was ein „Reinraum Klasse C" ist, und rollen dieses Modell danach auf beliebig viele Räume aus.
Die Anlage wird als hierarchisches Objektmodell abgebildet – Standort, Gebäude, Zone,
Raum, Messstelle. Jeder Raumtyp ist eine Vorlage mit definierten Messgrößen,
Grenzwerten, Alarmprioritäten und Archivierungsregeln. Ändert sich eine Regel, ändert
sie sich an der Vorlage und wird auf alle abgeleiteten Objekte verteilt.
Im Klartext: Der Aufwand für Raum 40 ist ein
Bruchteil des Aufwands für Raum 1 – und die Konfiguration ist über alle Räume hinweg
nachweislich identisch.
Die Operations Management Interface stellt die Visualisierung bereit. Aufgebaut ist sie aus ViewApps, die ein Layout mit mehreren Panes kombinieren; in die Panes werden OMI-Apps eingebettet – Übersichten, Trends, Alarmlisten, Navigation, Kennzahlen, Dokumente oder Web-Inhalte.
Der integrierte Historian archiviert Messwerte in hoher zeitlicher Auflösung und komprimiert sie verlustarm für die Langzeitablage. Trends über lange Zeiträume lassen sich unmittelbar aufziehen, Zeitreihen unterschiedlicher Messstellen und Standorte im selben Diagramm vergleichen. Abfragen über Standard-SQL halten die Anbindung an bestehende Auswerte- und Berichtswerkzeuge offen.
Alarme werden am Objekt definiert, nicht am Bild – mit Priorität, Verzögerung, Hysterese, Unterdrückung während geplanter Zustände (Reinigung, Wartung, Raum außer Betrieb) und Zuordnung zur betroffenen Anlage. Quittierung, Kommentierung und Weiterleitung an Leitstand, E-Mail oder Meldesystem sind Teil des Modells.
Die Vorwarnung um 12:00 löst eine Prüfung aus – die Alarmgrenze wird nicht erreicht, die Charge bleibt unberührt.
Verteilte Architektur vom Einzelplatzsystem bis zur standortübergreifenden Installation.
Optionen für Applikations- und Datenerfassungsebene sowie für die Archivierung.
Lokale Zwischenspeicherung in der Erfassungsebene – Netzunterbrechungen hinterlassen keine Lücken in der Historie.
Rollenbasierte Verwaltung mit Anbindung an das Active Directory.
Trennung von Automatisierungs- und Büronetz nach den gängigen Zonenmodellen der Anlagensicherheit.
Optionale Anbindung an AVEVA CONNECT für die gemeinsame Auswertung mehrerer Werke.
Regulierte Umgebungen
Ein EMS im regulierten Umfeld wird nicht danach beurteilt, wie gut es misst, sondern danach, wie belastbar es das Gemessene dokumentiert. Wir legen die Systeme so aus, dass sie die üblichen Anforderungen an elektronische Aufzeichnungen erfüllen:
EU-GMP-Leitfaden Annex 1 und Annex 11 · 21 CFR Part 11 · ISO 14644 für die Reinraumklassifizierung · GAMP 5 als Vorgehensmodell für die computergestützte Systemvalidierung.
Wir liefern die Dokumentation, die Ihr Validierungsprozess braucht – Lastenheft-Review, Funktions- und Designspezifikation, Traceability-Matrix, Testfälle sowie Unterstützung bei IQ, OQ und PQ.
Zur Klarstellung: Die Validierung des Systems verantwortet der Betreiber. Wir unterstützen sie mit Spezifikationen, Testfällen und Begleitung – wir ersetzen sie nicht.
Zusammenarbeit
Aufnahme der Messstellen, Grenzwerte und Nachweispflichten. Bewertung der vorhandenen Sensorik. Anforderungsdokument.
Systemarchitektur, Objektmodell, Alarm- und Berechtigungskonzept, Schnittstellenplanung, Aufwand und Zeitplan.
Aufbau der Galaxy, Objektvorlagen, OMI-Oberflächen, Historisierung, Berichte, Anbindung der Feldebene.
Werksabnahme und Abnahme vor Ort, Anwenderschulung, Begleitung der Qualifizierung, Übergabe der Dokumentation.
Wartungsvertrag, Störungsbereitschaft, Versionspflege, Erweiterungen im laufenden Betrieb.
Retrofit: Bestehende Anlagen lassen sich schrittweise überführen – zuerst die Datenerfassung parallel zum Altsystem, dann die Oberfläche, zuletzt die Ablösung. Ein Produktionsstillstand ist dafür in der Regel nicht erforderlich.
Häufige Fragen
In den meisten Fällen ja. Entscheidend ist, ob die Geräte eine auslesbare Schnittstelle haben. Was fehlt, ergänzen wir gezielt – ein EMS ist kein Grund, funktionierende Sensorik zu tauschen.
Ein überschaubarer Standort mit [XX] Messstellen ist typischerweise in [XX] Wochen in Betrieb. Den belastbaren Rahmen nennen wir nach der Analysephase.
Die Datenerfassung puffert lokal und überträgt nach, sobald die Verbindung wieder steht. Für Anwendungen, die keine Unterbrechung zulassen, planen wir die betroffenen Komponenten redundant.
Ja. Mehrere Standorte lassen sich in einem gemeinsamen Modell abbilden und zentral auswerten, während jeder Standort autonom weiterläuft.
Über den OMI Web Client im Browser sowie über die Alarmweiterleitung an E-Mail oder ein Meldesystem.
Nein. Sie erhalten die vollständige Dokumentation und die Rechte an der Konfiguration. Auf Wunsch schulen wir Ihre Techniker so, dass sie Erweiterungen selbst vornehmen können.
Schildern Sie uns, welche Räume und Werte Sie überwachen müssen und wo Ihre Dokumentation heute Lücken hat. Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung, ob und in welchem Umfang sich ein EMS für Sie rechnet.
Fotos auf dieser Seite: Unsplash (Noah Gremmert, Kevin Ache) und Pexels (Karola G / kaboompics.com, imeenhae, BI ravencrow, ed br, Pavel Danilyuk, Alexander Churakaev). Details im Bildnachweis.